Mitschnitte vom Antifa-Kongress 2025

Ne travaillez jamais? Zum Elend der Arbeit und ihrer Kritik

von Gegenform, Andrea Trumann, 4-Stunden-Liga, Ernst Lohoff und Stephan Maßdorf | Antifa-Kongress 2025

Beschreibungstext

Das Auftaktpodium am Abend des 1. Mai war der Analyse und Kritik des Zusammenhangs von Autoritarismus und Arbeitsfetischismus als Teil der aktuellen autoritären Formierung gewidmet. Die bundesweit wiedererstarkten „Roten Gruppen“, die auch im Jahr 2025 wieder heraus zum 1. Mai riefen, um ihren Fetisch der Klasse und des gesunden Volksempfindens zu zelebrieren, sind nur ein besonders schrilles Beispiel dafür. Denn neben den beeindruckend verstärkten repressiven Formen des Arbeitszwangs vom neoliberalen Flügel der Grünen bis zur AfD im Rahmen der „Bürgergeld“-Kritik, ist die mit der postfordistischen Wende dominant gewordene Ideologie vom selbstbestimmten und flexiblen Arbeiten weiterhin prägend. Inwiefern schleift die damit einhergehende Verinnerlichung und Erfordernis an die Ware Arbeitskraft, nicht länger nur Verausgabung von "Hirn, Nerv und Muskel", sondern eine Gesamtpersönlichkeit zu sein, die Erfahrungsmöglichkeit von Widersprüchen zwischen Arbeit und Freizeit und damit die Bedingung der Möglichkeit von Arbeitskritik? Und trotz alledem: Was wären sinnvolle Formen der Kritik?

Auf dem Podium haben wir das Elend der gegenwärtigen Arbeitsgesellschaft diskutiert und dabei zwei Momente in den Mittelpunkt gestellt, die zugleich immer auch ein Außen der Vergesellschaftung durch Arbeit bilden: Geschlechterverhältnis und Nicht-Arbeit.

Sex, gender, yallah intifada? Über Geschlecht, Begehren und Versagung und das Verhältnis von Feminismus und Gesellschaftskritik

von Koschka Linkerhand, Marco Kammholz, Christine Kirchhoff und Lars Quadfasel | Antifa-Kongress 2025

Beschreibungstext

Am 2. Mai 2025 fand auf dem Antifakongress Out of line in Berlin eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Sex, gender, yallah intifada? Über Geschlecht, Begehren und Versagung und das Verhältnis von Feminismus und Gesellschaftskritik" statt. Auf dem Podium diskutierten Koschka Linkerhand, Marco Kammholz, Christine Kirchhoff und Lars Quadfasel.

Folgender Ankündigungstext war der Veranstaltung vorangestellt:

"Die Verhältnisse sind widrig und das Leben ist nicht leicht. Individuelle Entfaltung, lustvolles Erleben, Genuss und Befriedigung, genau so, wie Du es willst, werden Dir und allen anderen zumeist und jedenfalls prinzipiell vorenthalten; denn dafür existiert man unterm Kapital und auch unter vielen anderen Leitsternen nicht. Feminist*innen, Kritiker*innen des Geschlechterverhältnisses, untersuchen nun den Faktor Geschlecht in dieser unlustigen Landschaft.

Wie bestimmt er sich und welche Vor- und Nachteile bringt er seinen Inhaber*innen in Wettbewerb und Verteilungskampf? Und ist es nicht per se als Nachteil zu begreifen, allein durch ihn, möge er lauten, wie er will, so verdammt determiniert zu sein? Wie schön wäre es doch, wenn Lust und Begehren nicht nur auf Waren, Jobs und Joggen zeigen, sondern Menschen meinen und diese sich frei entscheiden können, jenen zu folgen, zu widersprechen oder zu widerstehen. Versagung, Sublimierung, Tabu sind notwendig für eine Gesellschaft, dabei aber stetig zu prüfen: für welche Gesellschaft? Diese Frage war und ist immer wieder Anlass für Geschlechterkämpfe, Verweigerung, Angriffe aufs System – und hat großes emanzipatorisches Potential. Warum haben dann anscheinend grade diejenigen so großen Zulauf, deren Idee von Befreiung die „queere“ Unterstützung islamistischen Vernichtungsantisemitismus ist oder die als tradwives, alphamales und züchtige Brüder- und Schwesternkollektive vorauseilend gehorsam in die engsten Geschlechterkästchen drapiert, leugnen, überhaupt Unfreiheit zu erfahren?

Dieses Podium widmet sich den autoritären und antiemanzipatorischen Entwicklungen in einer Kritik des Geschlechterverhältnisses und dabei speziell der Bedeutung unreflektierter Anteile von Geschlechtlichkeit."

Racketisierung der Weltordnung – Zerfall des Weltmarkts?

von Tomasz Konicz, Hannah Wettig und Stephan Grigat | Antifa-Kongress 2025

Beschreibungstext

Am 3. Mai 2025 fand auf dem Antifakongress Out of line in Berlin eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Racketisierung der Weltordnung – Zerfall des Weltmarkts?" statt. Auf dem Podium diskutierten Tomasz Konicz, Hannah Wettig und Stephan Grigat.

Folgender Ankündigungstext war der Veranstaltung vorangestellt:

„Der Einmarsch Russlands in die Ukraine und der Kriegsverlauf mit gelieferten Drohnen aus dem Iran und der Rolle Chinas in diesem Krieg scheint alle Zweifel über die sich seit Längerem abzeichnende Achse Peking-Moskau-Teheran auszuräumen, die sich gegen die USA oder „den Westen“ positioniert. Die USA verabschieden sich indes immer mehr von der Rolle des Weltmarktverteidigers, die auch immer auf bessere Lebensverhältnisse in den Regionen kapitalistischer Peripherie hoffen ließ. Demgegenüber gewinnen in Afrika und Asien Russland mit Hilfe von Unterstützungsmissionen der Wagner-Söldnertruppe sowie China mit Rohstoff- und Infrastrukturprojekten für seine sogenannte neue Seidenstraßeninitiative an Einfluss, während die US-amerikanische Außenhandelspolitik lieb gewonnene Bündnisse bröckeln lässt.
Ob diese Frontstellung wirklich so widerspruchsfrei einzuordnen ist, welche Folgen eine Zusammenarbeit verschiedener Staatsrackets jener Achse für die globale Ware-Geld-Zirkulation hätte, was ein Weltmarkt nach den Vorstellungen des parteikommunistischen Chinas für konkrete Lebensverhältnisse vor Ort nach sich ziehen würde und welche Konsequenzen diese Entwicklungen für den Staat Israel bereithalten könnten, darüber soll auf diesem Podium diskutiert werden.“

Zu diesem Zeitpunkt dauerten die Kampfhandlungen im Gazastreifen noch an, es waren rund 50 Geiseln noch in der Gewalt der Hamas, es gab noch keine „Waffenruhe“. Im Juni 2025 flogen Israel und die USA im 12-Tage-Krieg Angriffe auf das iranische Atomwaffenprogramm. Im März 2026 fingen Israel und die USA an, mit Luftangriffen das iranische Regime zu schwächen und versuchten es zu Fall zu bringen, Enthauptungsschläge gelangen u.a. gegen den Obersten Geistlichen Führer Ali Khamenei. In Syrien bleibt die Lage äußerst angespannt, nachdem Übergriffe und Massaker an Minderheiten seitens Al-Shara/Al-Joulani stattgefunden haben. Die kurdische Autonomie im Norden Syriens wird herausgefordert. Die Frontlinie in der Ukraine im russischen Angriffskrieg bleibt nahezu unverändert.
Trotz der für dieses Podium doch weitreichenden Entwicklung halten wir die Veröffentlichung und das Nachhören dieser Veranstaltung für sinnvoll, nicht zuletzt als Zeitdokument zum Diskussionsstand innerhalb einer israelsolidarischen Linken.

Zwischen faschistischer Vergangenheit und rot-brauner Gegenwart. Zum Stand der Aufarbeitung des Faschismus in Italien

von Brunello Mantelli, Giovanna d’Amico; Moderation: Moritz Pitscheider | Antifa-Kongress 2025

Beschreibungstext

Giovanna D’Amico richtet mit einer kritischen Reflexion auf die Geschichtsschreibungen in Italien den Blick auf Spannungen, die die Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit in staatlichen Institutionen und öffentlichen Debatten mit sich brachte. Brunello Mantelli analysiert ideologische Konstellationen im heutigen Italien, die von Postfaschismus, Populismus und rot-braunen Tendenzen geprägt sind. Ideologische Verschiebungen betreffen nicht nur die Regierungspartei FdI um Giorgia Meloni, die selbst aus dem faschismusnostalgischen Milieu stammt: Populistische Strömungen und rot-braune Akteure, vom Movimento 5 Sterne über die Lega bis hin zu linken Gruppen wie der ANPI, nähern sich in ihrer Positionierung zu Themen wie der Ukraine, europäischer Aufrüstung oder der NATO an. Auf dem Podium wird diskutiert, wie die Auseinandersetzung mit der faschistischen Vergangenheit in diesen ideologischen Wirrungen wieder auftaucht.